Schulklasse Operation Rescue Kolkata. zVg Operation Rescue Kolkata

Ein siche­rer Ort für Kin­der aus obdach­lo­sen Familien

Zuletzt aktualisiert:

Mit­ten im Cha­os von Kolk­a­ta bie­tet «Ope­ra­ti­on Res­cue» Kin­dern obdach­lo­ser Fami­li­en Zuflucht, Bil­dung und Gebor­gen­heit. Wo ande­re weg­schau­en, schafft die klei­ne Orga­ni­sa­ti­on Per­spek­ti­ven – und schenkt Hoff­nung, dort wo sie am drin­gend­sten gebraucht wird.

Kolk­a­ta, die dritt­gröss­te Stadt Indi­ens, ist eine Metro­po­le mit über 14 Mil­lio­nen Men­schen – und eine der ärm­sten Regio­nen des Lan­des. Rund 70’000 Men­schen leben hier buch­stäb­lich auf der Stras­se. Kein Dach über dem Kopf, kaum sau­be­res Was­ser, kei­ne Per­spek­ti­ve. Und beson­ders betrof­fen sind die Schwäch­sten: die Kin­der. Hier setzt das Pro­jekt «Ope­ra­ti­on Res­cue Kolk­a­ta» an. Im Stadt­teil Bow­ba­zar betreibt die Orga­ni­sa­ti­on ein Tages­zen­trum, das Kin­dern aus soge­nann­ten «pave­ment dweller»-Familien weit mehr als nur einen Zufluchts­ort bie­tet: Die­ses schenkt ihnen Sta­bi­li­tät, Bil­dung, regel­mäs­si­ge Mahl­zei­ten und lie­be­vol­le Beglei­tung. 85 Kin­der fin­den hier Tag für Tag einen Ort, an dem sie ein­fach Kind sein dür­fen. «Unser Ziel ist es, den Kin­dern eine bes­se­re Zukunft zu schen­ken», sagt Chri­sti­an Bau­mann, Geschäfts­füh­rer von Ope­ra­ti­on Res­cue. «Wir wol­len ein siche­res Umfeld schaf­fen, in dem sie vor Dro­gen­dea­lern geschützt sind und nicht in die Pro­sti­tu­ti­on abrut­schen – kind­ge­recht und mit Gemeinschaft.»

Ler­nen für die Zukunft

Am Vor­mit­tag besu­chen 35 Vor­schul­kin­der das Zen­trum – ein Ange­bot, das im Vier­tel ein­zig­ar­tig ist. Im Fokus steht die Schul­rei­fe: Die Kin­der ler­nen Buch­sta­ben, Zah­len und wich­ti­ge All­tags­re­geln. Nach­mit­tags kom­men 50 Schul­kin­der, die Unter­stüt­zung bei den Haus­auf­ga­ben, Nach­hil­fe und geziel­te För­de­rung erhal­ten. Gera­de für Kin­der aus Fami­li­en, in denen nie­mand lesen oder schrei­ben kann, sind Beglei­tung und Ermu­ti­gung ent­schei­dend. Ein gros­ses Hin­der­nis im indi­schen Schul­sy­stem: Der Unter­richt an öffent­li­chen Schu­len fin­det meist auf Hin­di statt, doch vie­le Kin­der spre­chen nur Ben­ga­lisch. In öffent­li­chen Schu­len sind die Klas­sen oft über­füllt, es fehlt an Lehr­per­so­nen und die Lern­be­din­gun­gen sind schwie­rig. Ope­ra­ti­on Res­cue über­nimmt daher die Schul­ge­büh­ren für Pri­vat­schu­len, in denen auf Ben­ga­lisch unter­rich­tet wird – der Spra­che, die die Kin­der ver­ste­hen. Pri­vat­schu­len bie­ten nicht nur bes­se­ren Unter­richt, son­dern auch mehr indi­vi­du­el­le För­de­rung und fach­spe­zi­fi­sche Lehr­kräf­te. So erhal­ten die Kin­der fai­re Chan­cen und kön­nen ihr Poten­zi­al entfalten.

Mehr als Unter­richt: Gebor­gen­heit und Gemeinschaft

«Hier ist es wie in einer Fami­lie», erzählt Sai­na, eine Schü­le­rin des Pro­jekts. Sie berich­tet von über­füll­ten Klas­sen­zim­mern und feh­len­der Betreu­ung an der staat­li­chen Schu­le – und von der Für­sor­ge, die sie im Zen­trum erfährt: «Die Lehr­per­so­nen sind freund­lich, auf­merk­sam und beglei­ten uns lie­be­voll. Das Essen hier ist nicht nur nahr­haft, son­dern auch schmack­haf­ter und von bes­se­rer Qua­li­tät. Die Mit­ar­bei­ten­den und Lehr­per­so­nen sind wie eine Fami­lie. Ich füh­le mich hier wirk­lich wie in mei­nem zwei­ten Zuhau­se. Wir bekom­men sogar Früh­stück, was uns hilft, den gan­zen Tag über fit und kon­zen­triert zu bleiben.» 

Sai­na, Schü­le­rin von Ope­ra­ti­on Res­cue Kolk­a­ta. Bild: zVg, Ope­ra­ti­on Res­cue Kolkata

«Hun­ger ist ein gros­ses Pro­blem», ergänzt Bau­mann. «Die Kin­der gehen oft mit lee­rem Magen in die Schu­le und kom­men dann hung­rig zu uns.» Neben schu­li­scher För­de­rung gibt es Hin­di-Unter­richt, Work­shops zu All­tags­kom­pe­ten­zen wie Kör­per­pfle­ge, Umgang mit Geld und sozia­ler Inter­ak­ti­on – alles, was die Kin­der für den All­tag brau­chen. Für vie­le ist es das erste Mal, dass sie täg­lich war­me, gesun­de Mahl­zei­ten bekommen.Viele Kin­der, die das Zen­trum besu­chen, haben dank der täg­li­chen Mahl­zei­ten an Gewicht zuge­nom­men und sind sel­te­ner krank. Die Freu­de am Ler­nen wächst – und mit ihr die Hoff­nung auf eine bes­se­re Zukunft.

Kon­kre­te Hil­fe, die ankommt

Ope­ra­ti­on Res­cue stellt nicht nur die Schul­ge­büh­ren, son­dern auch Uni­for­men, Bücher, Stif­te, Taschen und sogar Früh­stück bereit. Die Kin­der erhal­ten alles, was sie für einen erfolg­rei­chen Schul­be­such brau­chen – und damit die Chan­ce, ohne Sor­gen zu ler­nen und zu wach­sen. «In unse­ren älte­ren Pro­jek­ten haben wir ein Netz­werk zu Aus­bil­dungs­be­trie­ben und Fir­men, die Arbeits­plät­ze bie­ten, auf­ge­baut, das den Kin­dern hilft, auch nach der Schul­zeit Fuss zu fas­sen», so Bau­mann. «In Kolk­a­ta ist das Pro­jekt neu­er, aber das Ziel ist das­sel­be: eine lang­fri­sti­ge Beglei­tung, bis sie auf eige­nen Bei­nen stehen.»

Nähe schafft Vertrauen

Ein zen­tra­ler Bau­stein des Pro­jekts ist die enge Zusam­men­ar­beit mit den Fami­li­en. Die Mit­ar­bei­ten­den besu­chen die Kin­der auf der Stras­se, brin­gen Pla­nen als Regen­schutz, spre­chen mit den Eltern und laden zu Tref­fen ins Zen­trum ein. Durch regel­mäs­si­ge Haus­be­su­che und Eltern­tref­fen ent­steht Ver­trau­en – und nur so kann ech­te Ver­än­de­rung gelin­gen. «In den ärm­sten Quar­tie­ren zie­hen die Fami­li­en oft um», erklärt Bau­mann. «Das erschwert unse­re lang­fri­sti­ge Beglei­tung. Des­halb suchen wir gezielt Orte, wo es vie­le Pro­ble­me gibt – und bis­her kaum ande­re Orga­ni­sa­tio­nen helfen.»

Auf dem Geh­steig Kolk­a­tas. Bild zVg, Ope­ra­ti­on Res­cue Kolkata 

Klei­ne Mit­tel, gros­se Wirkung

Ope­ra­ti­on Res­cue Kolk­a­ta zeigt, wie Ver­än­de­rung auch mit beschei­de­nen Mit­teln mög­lich ist. Mit einem Jah­res­bud­get von rund 32’600 Fran­ken sichert das Pro­jekt Bil­dung, Ernäh­rung und Gebor­gen­heit für 85 Kin­der. Es ist ein Ort, der Hoff­nung und Zukunft schenkt – dort, wo Armut am sicht­bar­sten ist: auf dem Geh­steig. «Wir sind eine klei­ne Orga­ni­sa­ti­on und leben von Frei­wil­li­gen­ar­beit», sagt Bau­mann. «Gera­de des­halb ach­ten wir sehr genau dar­auf, wo unse­re Hil­fe am drin­gend­sten gebraucht wird.»

Ope­ra­ti­on Res­cue Kolkata

«Schul­bil­dung für Pave­ment Dwel­lers» ist ein Pro­jekt von Ope­ra­ti­on Res­cue Schweiz. In einem Tages­zen­trum im Zen­trum von Kolk­a­ta (Indi­en) wer­den täg­lich 85 Kin­der betreut, die mit ihren Fami­li­en unter extre­men Bedin­gun­gen auf Geh­we­gen leben. Das Ange­bot umfasst Vor­schul­un­ter­richt, Nach­hil­fe, Hin­di-Kur­se sowie Work­shops zu All­tags­kom­pe­ten­zen. Zudem erhal­ten die Kin­der täg­lich eine war­me Mahl­zeit – oft die ein­zi­ge des Tages. Ope­ra­ti­on Res­cue über­nimmt auch Schul­ge­büh­ren, stellt Schul­ma­te­ri­al zur Ver­fü­gung und betreut die Fami­li­en durch Haus­be­su­che und Eltern­tref­fen. Ziel ist es, Kin­dern trotz schwie­ri­ger Lebens­um­stän­de Zugang zu Bil­dung und eine Per­spek­ti­ve auf eine bes­se­re Zukunft zu ermög­li­chen. Der Ver­ein finan­ziert sich aus­schliess­lich über Spenden.


Das Spen­den­ma­ga­zin von StiftungSchweiz rich­tet sich an Spen­de­rin­nen und Spen­der. Es infor­miert über aktu­el­le Pro­jek­te, Trends im Spen­den­markt und gibt Tipps, die das digi­ta­le Spen­den ein­fa­cher machen. Jede zwei­te Woche erscheint ergän­zend der «Do Good» Spen­den-News­let­ter.