Ein Tel­ler Hoffnung

Im süd­afri­ka­ni­schen East Lon­don im Town­ship Pef­fer­ville kämp­fen Fami­li­en ums täg­li­che Über­le­ben. Hun­ger ist für sie All­tag. Der Ver­ein Plate­l­ess South Afri­ca enga­giert sich vor Ort dafür, dass Kin­der eine war­me Mahl­zeit erhal­ten. Dabei geht es auch um Sicher­heit, Wür­de und das Gefühl, gese­hen zu werden.

East Lon­don – die­ser Name klingt nach Fern­weh, nach Wei­te und neu­en Mög­lich­kei­ten. Doch im süd­afri­ka­ni­schen East Lon­don, das flä­chen­mäs­sig etwa dem Kan­ton Zürich ent­spricht, ist das Leben für vie­le alles ande­re als leicht. Beson­ders in Town­ships wie Pef­fer­ville kämp­fen Fami­li­en ums täg­li­che Über­le­ben. Armut, Per­spek­tiv­lo­sig­keit und man­gel­haf­te Infra­struk­tur prä­gen dort den All­tag. Nicht alle Kin­der in East Lon­don sind glei­cher­mas­sen betrof­fen – doch in Pef­fer­ville ist Hun­ger für vie­le Alltag.

Hun­ger ist All­tag – nicht Ausnahme

Wer nie selbst gehun­gert hat, stellt sich Hun­ger als Magen­knur­ren zwi­schen zwei Mahl­zei­ten vor. Für vie­le Kin­der in Pef­fer­ville ist Hun­ger hin­ge­gen stän­di­ger Beglei­ter. Abend­essen ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, Schul­ma­te­ria­li­en sind ein Luxus, Hygie­ne­ar­ti­kel feh­len. Man­che Kin­der schla­fen auf dem Boden, ande­re bei Ver­wand­ten, die selbst kaum Platz haben. Laris­sa Sny­man, Grün­de­rin von Plate­l­ess South Afri­ca und Pro­jekt­lei­te­rin vor Ort, kennt die­se Rea­li­tä­ten. Ihr Mann ist selbst im Town­ship auf­ge­wach­sen. Nach ihrer Aus­wan­de­rung aus der Schweiz grün­de­ten sie 2022 das erste Pro­jekt – 2024 wur­de dar­aus offi­zi­ell die NGO Plate­l­ess South Afri­ca. Heu­te erhal­ten rund 250 Kin­der zwei- bis drei­mal pro Woche eine war­me Mahl­zeit – oft die ein­zi­ge am Tag. «Es geht nicht nur ums Essen», sagt Sny­man. «Es geht um Sicher­heit, Wür­de und das Gefühl, gese­hen zu werden.»

Vom Sup­pen­topf zur Struktur

Anfang 2025 konn­te Plate­l­ess South Afri­ca ein eige­nes Stück Land über­neh­men – offi­zi­ell gehört es dem Ver­ein zwar nicht, aber es wird genutzt, gepflegt und gestal­tet. Zuvor fand die Essens­aus­ga­be auf einem pri­va­ten Grund­stück statt. «Wir haben das Gelän­de her­ge­rich­tet und betrei­ben unse­re Sup­pen­kü­che nun dort. Das ist ein wich­ti­ger Schritt für uns», sagt Snyman.

Die Kin­der kom­men früh, oft war­ten sie lan­ge. Doch sie blei­ben – weil es mehr als nur Essen gibt: Nähe, Struk­tur und ein ver­läss­li­cher Ort.

Bil­der: zVg 

Ein Fuss­ball­platz als Zukunftsmodell

Neben der Sup­pen­kü­che plant der Ver­ein ein neu­es Pro­jekt: Ein Fuss­ball­feld in unmit­tel­ba­rer Nähe soll nicht nur Kin­dern Bewe­gung und Freu­de brin­gen, son­dern vor allem eine Alter­na­ti­ve zum Leben auf der Stras­se bie­ten – fern­ab von Dro­gen und dem Ein­fluss loka­ler Stras­sen­gangs. «Der Platz exi­stiert bereits, aber er ist unge­nutzt», erklärt Sny­man. Gemein­sam mit der Gemein­de sucht der Ver­ein nach Wegen, um den Betrieb zu finan­zie­ren – auch durch Schwei­zer Spender:innen. Ob der Platz län­ger­fri­stig auch Ein­nah­men gene­rie­ren kann, etwa zur Mit­fi­nan­zie­rung der Sup­pen­kü­che, ist der­zeit noch unklar.

Direk­te Hil­fe – per­sön­lich und unbürokratisch

Die Nähe zu den Fami­li­en ermög­licht dem Team, schnell und indi­vi­du­ell zu hel­fen. Yvonne Schmu­ki, Prä­si­den­tin des Ver­eins Plate­l­ess Schweiz, berich­tet von einem Jun­gen, der immer im Bade­man­tel zur Essens­aus­ga­be kam und als Tel­ler eine auf­ge­schnit­te­ne PET-Fla­sche benutz­te. «Laris­sa hat im Spen­den­con­tai­ner nach­ge­schaut und pas­sen­de Klei­dung für ihn gefun­den», sagt Schmu­ki. Kürz­lich konn­te der Ver­ein auch ein paar Fuss­ball­schu­he an talen­tier­te Kin­der ver­tei­len – klei­ne Gesten mit gros­ser Wirkung.

«Wir essen in der Sup­pen­kü­che – das macht uns glücklich»

Eine Bewoh­ne­rin aus dem Vier­tel Pef­fer­ville erzählt: «Wir sind fünf Per­so­nen im Haus, mein Enkel­kind ist das fünf­te. Wir essen in der Sup­pen­kü­che – dort wird für uns gekocht. Das macht uns glück­lich. Aber draus­sen fliesst schmut­zi­ges Abwas­ser direkt vor unse­rem Haus. Es stinkt, wir kön­nen nicht ein­mal rich­tig essen. Die Kin­der spie­len dar­in. Bit­te helft uns. Selbst wenn nur das Rohr repa­riert wür­de.» Die Lebens­be­din­gun­gen in Pef­fer­ville sind seit Jah­ren kata­stro­phal. Die Regie­rung hat grund­le­gen­de Dienst­lei­stun­gen ein­ge­stellt. Die Kana­li­sa­ti­on ist defekt, Müll wird nicht abge­holt, Abwas­ser fliesst offen durch die Stras­sen – mit gra­vie­ren­den gesund­heit­li­chen Fol­gen für die Kinder.

Bil­dung braucht mehr als Unterricht

Ein wei­te­res Ziel des Ver­eins: Bil­dungs­för­de­rung. «Schu­le ist der Weg in ein bes­se­res Leben – aber ohne Schu­he, Früh­stück oder Schul­ma­te­ri­al ist selbst der kür­ze­ste Schul­weg eine Hür­de», sagt Laris­sa Sny­man. Der Ver­ein unter­stützt punk­tu­ell bei Ein­schu­lun­gen und über­nimmt in Ein­zel­fäl­len auch Schul­ge­büh­ren. Lang­fri­stig soll die­se Hil­fe aus­ge­baut werden.

Finan­zie­rung durch Spen­den – und viel Idealismus

Plate­l­ess South Afri­ca finan­ziert sich aus­schliess­lich über Spen­den. «Wir wün­schen uns regel­mäs­si­ge Spen­den, damit wir Monat für Monat pla­nen kön­nen», sagt Sny­man. «Es geht nicht nur ums Essen – es geht ums Überleben.»

Wer hel­fen will, kann das sofort tun

Ob mit Zeit, Geld oder Sach­spen­den: Jede Unter­stüt­zung hilft. Plate­l­ess South Afri­ca ist in der loka­len Gemein­schaft tief ver­wur­zelt. Zwar fin­det eine Zusam­men­ar­beit mit Behör­den vor Ort statt – doch sie ist oft müh­sam und wenig hilf­reich. Ant­wor­ten oder kon­kre­te Unter­stüt­zung las­sen meist lan­ge auf sich war­ten. Umso wich­ti­ger ist die direk­te Hil­fe, die bei den Kin­dern ankommt – und ihnen eine Zukunft ermöglicht.

Plate­l­ess South Africa

Mahl­zei­ten für Kin­der in Pef­fer­ville (East Lon­don) ist ein Pro­jekt des Ver­eins Plate­l­ess South Afri­ca. Zwei- bis drei­mal pro Woche erhal­ten rund 250 Kin­der und Bedürf­ti­ge im Town­ship Pef­fer­ville eine war­me Mahl­zeit – oft die ein­zi­ge des Tages. Die Aus­ga­be fin­det der­zeit unter ein­fa­chen Bedin­gun­gen auf einem pro­vi­so­risch genutz­ten Gemein­de­grund­stück statt. Um die Ver­sor­gung siche­rer und kind­ge­rech­ter zu gestal­ten, plant der Ver­ein den Auf­bau einer festen Infra­struk­tur. Neben der Essens­aus­ga­be wer­den punk­tu­ell Klei­der­spen­den orga­ni­siert, Schul­kin­der unter­stützt und in Not­la­gen schnell gehol­fen. Plate­l­ess South Afri­ca finan­ziert sich aus­schliess­lich durch pri­va­te Spen­den. Eine Zusam­men­ar­beit mit den loka­len Behör­den besteht, gestal­tet sich aber oft schwie­rig und wenig unter­stüt­zend. Wer hel­fen möch­te – mit Geld, Zeit oder Sach­spen­den – fin­det wei­te­re Informationen:


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